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Das Weib
Ich sah das Weib, wie tiefer Sehnsucht voll
es auf den dürren dornenbewehrten Äckern
nach Paradiesen suchte, - sah das Weib,
von dunklem Fluch gehetzt,
mit blutenden Füßen durch die Wüsten irren ...
Ich sah das Weib, von Gotteskraft gesegnet,
die allen Fluch in lauter Licht verwandelt:
sah, wie es Mutter ward
Gebärerin der kommenden Geschlechter,
und in den Augen der Gemarterten,
die opferfroh mit tausend Toden rang
und tausend Leben gab, -
in ihren Augen las ich diese Lieder:
Aus Felsenöde
von zerklüftetem Berggrat
in den lichtlos fahlen Morgenhimmel
ragt ein Kreuz.
Über dem Kreuz
schwebt auf schweren, schwarzen Schwingen
- wie ein nachtgeborner
sehnsuchtgetragener Schmerzgedanke -
ein Königsadler
einsam und lautlos
in der dämmernden Frühe dahin ...
Am Kreuz aber hängt,
in Ketten geschlagen,
sich windend in blutiger Qual,
ein Menschenleib -
der nackte Körper einer Frau.
Jeden Muskel gestrafft
an den weißen, zuckenden Armen,
das Haupt geneigt
und die starrenden Blicke
hilfesuchend nach Ost gerichtet -
auf den heißen, vertrockneten Lippen
die stöhnende Frage,
den Schrei nach Erlösung:
"Wie lange noch, Herr -
oh, Herr, wie lange noch? -"
Nur ein Wolkenschatten geht
über die Gefilde.
und aus der Wolke
- von einem Heiligenschein
aufflammender Strahlen umgeben -
blickt ein Dulderantlitz,
neigt ein dornengekröntes Heilandshaupt
schmerzvoll lächelnd sich dir entgegen.
Seine Augen suchen die deinen -
und die gequälten, dürstenden Lippen
zucken und stammeln,
als wollten sie reden,
helfen und trösten
und Antwort dir geben
auf deine stöhnende Frage -
und wissen keinen Trost
und finden keine Antwort ...
Nur ein Wolkenschatten
geht über die Gefilde.
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